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Von Kunstharz bis Wasserlack – Industrielacke einfach erklärt

Ob Fahrzeug, Maschine oder ganze Produktionsanlage, ohne die richtigen Industrielacke läuft im Handwerk nichts. Dabei sind diese Lacke weit mehr als bloße Farbe. Sie fungieren als multifunktionale Schutzhaut, die deine Investitionsgüter vor dem natürlichen Zerfall durch Korrosion und chemische Einflüsse bewahrt.

Die Auswahl des korrekten Beschichtungsstoffes entscheidet über die Lebensdauer von Infrastruktur und die Wertigkeit deiner Bauteile. Vom bewährten Kunstharzlack bis zum modernen Wasserlack bringt jeder Typ seine eigenen chemischen Stärken mit. Hier bekommst du einen technischen Vergleich, damit du die chemischen Wirkmechanismen verstehst und den passenden Industrielack für dein Projekt gezielt auswählen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Einsatzzweck entscheidet: Jeder Industrielack hat spezielle Stärken, vom robusten Kunstharz- für Maschinen bis zum chemikalienfesten Epoxidlack für Böden. Prüfe genau, ob dein Projekt Witterung, Abrieb oder Chemikalien standhalten muss.
  • Die richtige Wahl treffen: Für hochwertige Fahrzeuglackierungen sind Basislacke plus Klarlack ideal, während Polyurethanlacke (PU) bei harten Außenbedingungen punkten. Wasserlacke bieten dir eine umweltfreundliche Alternative mit hoher Farbgenauigkeit.
  • Sorgfalt bei der Anwendung: Achte penibel auf die Untergrundvorbereitung und halte dich strikt an Mischungsverhältnisse sowie Ablüftzeiten. Besonders 2K-Systeme und Wasserlacke verzeihen dir bei falschem Klima oder Mischung kaum Fehler.
  • Schnelle Orientierung: Wenn du unsicher bist, hilft dir die Tabelle im Abschnitt Industrielacke auswählen: Welcher Lack passt zu deinem Projekt? bei der Entscheidung.
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Kunstharzlack: Eigenschaften, Verwendung & Nachteile

Anfang des 20. Jahrhunderts kam richtig Bewegung in die Werkstätten, als Kunstharzlacke entwickelt wurden und viele Herausforderungen bei Schutzlackierungen lösten. Chemisch betrachtet basieren diese Systeme meist auf Alkydharzen, also synthetischen Polyestern, die mit Ölen modifiziert werden. Diese Zusammensetzung sorgt dafür, dass der Lack nicht einfach nur durch Verdunstung trocknet, sondern chemisch mit dem Luftsauerstoff reagiert. Fachleute sprechen hier von einer oxidativen Trocknung.

Für dich in der Anwendung bedeutet das: Kunstharzlacke lassen sich sehr angenehm verarbeiten. Sie bieten einen hervorragenden Verlauf und ermöglichen es dir, auch ohne hochkomplexe Ausrüstung ordentliche Schichtdicken aufzubauen. Diese Schichten bleiben nach der Aushärtung zähelastisch, weshalb der Lack mechanische Bewegungen des Untergrunds, etwa bei Holz oder Stahlkonstruktionen, gut mitmacht, ohne sofort zu reißen. Gerade im Maschinenbau und bei Landmaschinen ist dieser Lacktyp aufgrund seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses nach wie vor weit verbreitet.

Allerdings gibt es chemische Grenzen, die du unbedingt kennen solltest. Da Alkydharze empfindlich auf alkalische Untergründe reagieren, darfst du sie nicht ohne spezielle Grundierung auf Zink oder frischen Beton streichen. Hier droht sonst eine sogenannte Verseifung: Der Lack wird chemisch zersetzt, wird weich und blättert ab. Auch die Trocknungszeit ist im Vergleich zu modernen Systemen eher lang, da der Sauerstoff erst tief in die Lackschicht eindringen muss.

Doch wann genau lohnt sich der Griff zur Kunstharz-Dose und wo stößt sie an ihre Grenzen? Das schauen wir uns im Detail an.

Vorteile & Nachteile: Wann Kunstharzlack verwenden?

Die Entscheidung für oder gegen einen Kunstharzlack hängt stark von den Umgebungsbedingungen ab. Da diese Lacke oxidativ trocknen (also Sauerstoff zur Reaktion benötigen), verhalten sie sich anders als rein physikalisch trocknende Lacke wie Nitro. Besonders bei Bauteilen, die „arbeiten“ müssen (wie Holz oder Stahlkonstruktionen im Außenbereich), ist die hohe Elastizität des Alkydharzes ein entscheidender Pluspunkt. Allerdings erkaufst du dir diese Zähigkeit mit einer längeren Wartezeit bis zur Endhärte.

Hier siehst du auf einen Blick, wo das System punktet und wo du vorsichtig sein musst.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Einfache Verarbeitung: Als 1K-System ist kein Mischen mit Härter nötig. Der Lack verzeiht kleine Anwendungsfehler.Lange Trocknung: Da der Lack Sauerstoff aufnehmen muss, dauert die Durchhärtung oft mehrere Tage.
Hohe Elastizität: Die Lackschicht bleibt zäh und macht Bewegungen durch Temperaturschwankungen gut mit.Verseifungsgefahr: Auf alkalischen Untergründen wie Zink oder frischem Beton zersetzt sich das Harz chemisch und haftet nicht.
Gute Füllkraft: Du erreichst mit wenigen Schichten eine hohe Deckkraft und einen guten Schutzfilm.Vergilbungsneigung: Besonders in dunklen Räumen neigen Alkydharze dazu, gelblich nachzudunkeln („Dunkelvergilbung“).
Günstiger Preis: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für einfache Schutzanstriche sehr attraktiv.Geringe Chemikalienfestigkeit: Gegen aggressive Lösemittel oder dauerhaften Kraftstoffkontakt ist Kunstharz meist nicht beständig.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Vorsicht bei Zink: Streiche Kunstharzlack niemals direkt auf verzinkte Flächen. Nutze hier zwingend eine spezielle Grundierung (z. B. Epoxid), um die chemische Verseifung zu verhindern.
  2. Geduld beim Trocknen: Da der Lack Sauerstoff braucht, darfst du die Schichten nicht zu dick auftragen. Sonst trocknet die Oberfläche („Hautbildung“), während es darunter weich bleibt.
  3. Wetter beachten: Hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamt die oxidative Trocknung massiv. Lackiere am besten bei trockenem Wetter und moderaten Temperaturen.

Du möchtest tiefer in die Materie einsteigen und wissen, wie du Kunstharzlack Schritt für Schritt verarbeitest?

Lies hierzu unseren detaillierten Ratgeber: Kunstharzlack Ratgeber – Anwendung & Verarbeitung

Nitrokombilack: Schnelle Trocknung & glattes Finish

Nitrokombinationslacke etablierten sich bereits in den 1930er Jahren als Standard in der industriellen Fertigung und sind bis heute für bestimmte Nischen unverzichtbar. Im Gegensatz zu den chemisch reagierenden Kunstharzlacken trocknet dieses System rein physikalisch. Das bedeutet für dich, dass der Lackfilm allein durch das Verdunsten der enthaltenen Lösemittel fest wird. Es findet keine chemische Vernetzung mit Sauerstoff oder einem Härter statt.

Die Basis bildet hierbei Nitrozellulose, die für eine extrem schnelle Antrocknung sorgt. Damit die Schicht nicht zu spröde wird und besser haftet, kombinieren Hersteller diese Basis oft mit elastischen Alkydharzen. Das Ergebnis ist eine besonders harte und glatte Oberfläche, die sich hervorragend polieren lässt. Genau deshalb findest du diesen Lacktyp häufig im Instrumentenbau, bei hochwertigen Möbeln oder im Bereich der Oldtimer-Restaurierung, wo es auf ein authentisches Oberflächenbild ankommt.

Doch die einfache Verarbeitung und schnelle Trocknung bringen technische Eigenheiten mit sich, die du vor dem Projektstart abwägen solltest. Denn was sich leicht verarbeiten lässt, weist oft Schwächen bei der Beständigkeit auf.

Nitrolack Eigenschaften: Ideal für Möbel & Holz

Die große Stärke von Nitrolacken liegt in ihrer Wirkung auf Holz. Sie feuern die natürliche Maserung an und erzeugen eine optische Tiefe, die mit modernen Wasserlacken oft schwer zu erreichen ist. Da der Lackfilm rein physikalisch durch das Verdunsten der Lösemittel trocknet, bleibt er theoretisch immer wieder anlösbar. Das ist praktisch bei Restaurierungen, bedeutet im Umkehrschluss aber eine sehr geringe Beständigkeit gegen Alkohol oder scharfe Reinigungsmittel.

Für den Innenbereich, etwa bei Schränken, Tischen oder Musikinstrumenten, ist dieses System aufgrund seiner schnellen Weiterverarbeitbarkeit und der haptisch sehr angenehmen Oberfläche nach wie vor eine beliebte Wahl.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Extrem schnelle Trocknung: Die staubtrockene Phase ist oft schon nach wenigen Minuten erreicht. Das spart Zeit in der Werkstatt.Lösemittelempfindlich: Der Lackfilm ist reversibel. Verschütteter Alkohol oder Benzin können die Oberfläche sofort anlösen.
Feines Finish: Nitrolacke verlaufen sehr glatt und lassen sich exzellent polieren. Ideal für Hochglanz-Möbel oder Gitarren.Nicht wetterfest: Feuchtigkeit und UV-Strahlung lassen den Lack schnell rissig werden oder vergilben. Er ist ungeeignet für den Außenbereich.
Einfache Reparatur: Kratzer lassen sich oft einfach durch Anlösen und Polieren oder Überlackieren beseitigen („Verschmelzen“).Hoher Lösemittelanteil: Beim Verarbeiten entstehen starke Dämpfe. Eine gute Belüftung und Atemschutz sind zwingend erforderlich.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Dünne Schichten: Spritze lieber mehrere dünne Gänge als einen dicken. Da das Lösemittel entweichen muss, drohen bei zu satten Schichten Bläschen oder eine weiche Oberfläche.
  2. Nur für Innen: Nutze Nitrolacke konsequent nur für Objekte im Innenbereich wie Möbel oder Instrumente. Draußen würde die Witterung den Lackfilm schnell zerstören.
  3. Anlösetest: Wenn du alte Möbel restaurierst, prüfe vorher mit Nitroverdünnung. Löst sich der alte Anstrich sofort, ist es wahrscheinlich ein alter Nitrolack.

Du möchtest genau wissen, wie du diesen Klassiker für dein Projekt einsetzt?

Hier findest du alle Details: Nitrokombilack: Eigenschaften, Technik, Anwendung & Vorteile

1K & 2K Acryllack: Ideal für Fahrzeug & Außenbereich

Mitte des 20. Jahrhunderts brachte die Einführung von Acrylharzen einen technologischen Sprung in der industriellen Lackierung. Im direkten Vergleich zu den klassischen Kunstharzen überzeugen Acryllacke durch eine deutlich höhere UV-Stabilität und Wetterfestigkeit. Das Bindemittel absorbiert das UV-Licht nicht, weshalb der Lackfilm auch nach Jahren in der prallen Sonne kaum vergilbt oder versprödet. Diese Eigenschaft macht Acryllack zur ersten Wahl für Fahrzeuglackierungen und Metallkonstruktionen im Außenbereich.

Du musst bei der Auswahl jedoch technisch differenzieren. Ein 1K Acryllack trocknet meist physikalisch. Das bedeutet, dass er einfach zu verarbeiten ist, aber thermoplastisch bleibt. Bei Wärme kann er leicht weich werden und ist nicht resistent gegen Lösemittel. Wenn du dagegen höchste Ansprüche an die Haltbarkeit hast, kommst du am 2K Acryllack nicht vorbei. Hier reagiert der Stammlack chemisch mit einem speziellen Härter (Isocyanat).

Durch diese chemische Vernetzung entsteht eine extrem dichte Oberfläche, die unempfindlich gegenüber Benzin, saurem Regen und mechanischem Abrieb ist. Das Material bleibt dabei elastisch genug, um die thermische Ausdehnung von Karosserieblechen bei Sommerhitze oder Winterkälte mitzumachen, ohne zu reißen.

Doch auch der moderne Acryllack ist kein Wundermittel für jede Situation, wie ein Blick auf die spezifischen Vorzüge und Schwachstellen zeigt.

Acryllack Verwendung: Auto & Metallkonstruktionen

Acryllacke dominieren heute den Bereich der Fahrzeuglackierung und hochwertigen Außenbeschichtungen. Da das Acrylbindemittel UV-Strahlung nicht absorbiert, vergilbt der Lackfilm auch nach Jahren nicht. Das macht ihn zur ersten Wahl für Autos, Landmaschinen oder Metallfassaden. Während einfache 1K-Sprays oft für schnelle Ausbesserungen im Hobbybereich dienen, setzen Profis auf 2K-Acryllacke. Diese bieten durch die chemische Vernetzung eine enorme Beständigkeit gegen Kraftstoffe und Reinigungschemie.

Hier siehst du genau, wo die Stärken liegen und welche technischen Einschränkungen du beachten musst.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Hohe UV-Beständigkeit: Der Lack vergilbt nicht und bleibt auch bei jahrelanger Sonne farbstabil.Thermoplastisch (nur 1K): Einkomponentige Acryllacke werden bei Hitze weich und sind lösemittelempfindlich.
Chemische Härte (nur 2K): Vernetzte Systeme widerstehen Benzin, Säuren und Streusalz problemlos.Gesundheitsschutz: Die im 2K-Härter enthaltenen Isocyanate reizen die Atemwege und erfordern guten Arbeitsschutz.
Schnelle Trocknung: Kurze Ablüftzeiten ermöglichen ein zügiges Arbeiten und reduzieren Staubeinschlüsse.Topfzeit beachten: Nach Zugabe des Härters hast du nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verarbeitung.
Glanzhaltung: Acryllacke lassen sich exzellent auf Hochglanz polieren und behalten diesen lange.Preis: Hochwertige 2K-Acrylsysteme sind kostenintensiver als einfache Kunstharzlacke.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Mischung ist entscheidend: Bei 2K-Lacken bestimmt das exakte Verhältnis von Lack zu Härter die Qualität. Nutze dafür unbedingt einen Messbecher oder eine Waage.
  2. Nicht in der Sonne: Lackiere Acrylflächen nicht bei direkter Sonneneinstrahlung. Der Lack zieht zu schnell an und verläuft nicht mehr glatt (Orangenhaut).
  3. Schutz tragen: Aufgrund der Reaktivität der Isocyanate im Härter ist eine Atemschutzmaske mit Kombifilter Pflicht.

Du möchtest tiefer in die Profi-Liga einsteigen und alles über die Unterschiede und Verarbeitung von 1K und 2K-Systemen lernen?

Lies hierzu unsere ausführlichen Guides:

Polyurethanlack (PU-Lack): Eigenschaften & Nachteile

Ursprünglich für die hohen Anforderungen der Luftfahrt entwickelt, hat sich Polyurethanlack heute fest etabliert, wo Oberflächen extremen Belastungen widerstehen müssen. Egal ob im Fahrzeugbau, bei der Maschinenlackierung oder als Bodenschutz in Industriehallen, PU-Lacke sind oft die erste Wahl, wenn herkömmliche Lacke an ihre physikalischen Grenzen stoßen.

Die chemische Basis dieser Systeme sind spezielle Polyurethanharze, die durch eine Reaktion mit Isocyanaten vernetzen. Diese sogenannte Polyaddition sorgt für besonders dichte und widerstandsfähige Schichten. Das Besondere an dieser Chemie ist die Kombination aus Härte und Elastizität. Ein guter PU-Lack trotzt nicht nur mechanischer Beanspruchung wie Steinschlägen, sondern ist auch unempfindlich gegenüber Chemikalien, Feuchtigkeit, UV-Strahlung und starken Temperaturschwankungen.

Gerade bei Flächen, die täglich intensiv genutzt werden, wie Maschinengehäuse, Nutzfahrzeuge oder Ladeflächen, zeigt Polyurethanlack seine volle Leistungsfähigkeit. Die harte Struktur verhindert, dass Risse oder Abplatzungen entstehen, selbst wenn das beschichtete Metall durch Hitze oder Kälte arbeitet.

Doch diese hohe technologische Leistung erfordert auch Disziplin bei der Verarbeitung, denn das System verzeiht kaum Fehler im Mischprozess.

PU-Lack Eigenschaften: Chemikalienbeständigkeit & Härte

Die herausragende Eigenschaft von Polyurethanlacken ist ihre enorme Widerstandskraft. Sobald der Stammlack und der Isocyanat-Härter chemisch reagieren, entsteht ein Kunststoffgitter, das selbst aggressiven Medien wie Hydrauliköl, Säuren, Laugen oder Lösungsmitteln standhält. Diese chemische Beständigkeit macht PU-Systeme unverzichtbar für Ladeflächen, Böden in Werkstätten oder Landmaschinen. Gleichzeitig bleibt der Lackfilm elastisch genug, um Stöße abzufedern, statt zu platzen.

Allerdings erkaufst du dir diese Profi-Qualität mit einem höheren Aufwand bei der Arbeitssicherheit und Verarbeitung.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Maximale Beständigkeit: Der Lack ist extrem widerstandsfähig gegen Benzin, Öle, Streusalz und viele Chemikalien.Komplexe Verarbeitung: Als 2K-System musst du Härter und Lack exakt abwiegen und intensiv mischen.
Mechanischer Schutz: Die Kombination aus Härte und Elastizität schützt optimal vor Steinschlag und Kratzern.Gesundheitsschutz: Die im Härter enthaltenen Isocyanate sind atemwegsreizend. Eine Lackiermaske mit A2P3-Filter ist Pflicht.
Wetterfestigkeit: Hochwertige PU-Lacke (oft DD-Lacke genannt) sind sehr UV-stabil und kreiden im Außenbereich kaum aus.Feuchtigkeitsempfindlichkeit: Reagiert der Härter mit Luftfeuchtigkeit, entstehen CO2-Bläschen im Lackfilm.
Lange Lebensdauer: Einmal korrekt appliziert, halten diese Beschichtungen oft Jahrzehnte ohne Qualitätsverlust.Preisniveau: Die Rohstoffe sind teurer als bei einfachen Kunstharz- oder Nitrolacken.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Wasser fernhalten: Achte penibel darauf, dass kein Wasser oder hohe Luftfeuchtigkeit an den flüssigen Lack kommt. Der Härter reagiert sonst mit dem Wasser statt mit dem Lack, was zu Blasenbildung führt.
  2. Topfzeit beachten: Sobald der Härter im Lack ist, tickt die Uhr. Verarbeite das Material zügig, da es sonst im Becher aushärtet und unbrauchbar wird.
  3. Schichtdicke: Trage den Lack nicht zu dick in einem Gang auf, um Kocher (kleine Bläschen durch eingeschlossenes Lösemittel) zu vermeiden.

Du willst wissen, wie du Fehler wie Kocher oder Orangenhaut beim PU-Lack sicher vermeidest?

Lies hierzu unseren großen Praxis-Guide: Großer 2K Polyurethanlack Guide: Verarbeitung Tipps & Fehler

2K Epoxidharzlack: Maximale Beständigkeit gegen Chemie

Wenn Wasser, Chemikalien oder schwere mechanische Lasten ins Spiel kommen, ist Epoxidlack die technisch richtige Antwort. Ursprünglich für den Schiffbau und die chemische Industrie entwickelt, schützt Epoxidlack heute Böden, Tanks, Maschinen und industrielle Anlagen zuverlässig vor allem, was herkömmlichen Lacken zusetzt. Seine Basis sind reaktive Epoxidharze, die mit speziellen Härtern chemisch vernetzen. Dadurch entstehen extrem dichte und harte Oberflächen, die selbst unter schwierigsten Bedingungen stabil bleiben.

Besonders hervorzuheben ist die exzellente Haftung auf fast allen Untergründen. Egal ob Stahl, Zink, Aluminium oder mineralische Böden aus Beton, Epoxidharz krallt sich förmlich fest und dient oft als hochwertige Grundierung im Korrosionsschutz. Durch seine dichte Struktur verhindert es, dass Feuchtigkeit oder Sauerstoff an das Metall gelangen.

Allerdings hat dieser Spezialist eine chemische Achillesferse, die du bei der Planung zwingend berücksichtigen musst. Epoxidharze reagieren empfindlich auf UV-Licht, weshalb sie im Außenbereich ohne Schutz schnell ihren Glanz verlieren und an der Oberfläche pulverisieren, was Fachleute als Kreiden bezeichnen.

Was das genau für deinen Anwendungsfall bedeutet und wie du das System richtig schützt, siehst du in der folgenden Übersicht.

2K Epoxidlack: Vor- & Nachteile bei der Verarbeitung

Die Entscheidung für ein Epoxid-System triffst du meist aus technischen Gründen, weniger wegen der Optik. Chemisch gesehen vernetzt das Epoxidharz extrem engmaschig, was Molekülen wie Wasser oder Sauerstoff den Weg zum Metall versperrt. Dieser Barriere-Effekt macht es zum idealen Rostschutz. Zudem verfügt das Harz über polare Gruppen, die eine enorme Adhäsion (Anhaftung) auf kritischen Untergründen wie Aluminium, Zink oder glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) aufbauen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die chemische Struktur ist nicht stabil gegen ultraviolette Strahlung, weshalb du das System im Außenbereich immer schützen musst.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Haftungswunder: Epoxidharz haftet exzellent auf schwierigen Untergründen wie Zink, Aluminium, GFK und Beton.UV-Empfindlichkeit: Ohne Decklack zerstört Sonnenlicht die Oberfläche. Der Lack kreidet aus und verliert an Schichtdicke.
Chemische Barriere: Das Material ist extrem dicht und widersteht Säuren, Laugen, Ölen und Bremsflüssigkeit dauerhaft.Lange Trocknung: Die chemische Vernetzung dauert lange. Bis zur vollen Belastbarkeit können bis zu 7 Tage vergehen.
Isolator: Wirkt elektrisch isolierend und verhindert Kontaktkorrosion zwischen verschiedenen Metallen.Zwischenschliff: Wird das Überlackier-Zeitfenster verpasst, muss die Fläche zwingend angeschliffen werden, damit die nächste Schicht hält.
Füllkraft: Epoxid-Grundierungen lassen sich in hohen Schichtdicken auftragen und glätten raue Oberflächen.Temperatur: Unter 10 °C stoppt die chemische Reaktion oft komplett. Eine Mindesttemperatur ist Pflicht.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Immer überlackieren: Wenn dein Bauteil draußen steht, nutze Epoxid nur als Grundierung. Versiegele es anschließend immer mit einem UV-stabilen 2K-Acryl- oder PU-Lack.
  2. Mischungsverhältnis: Epoxidharze reagieren stöchiometrisch. Das heißt, jedes Harzteilchen braucht genau ein Härterteilchen. Weiche niemals vom vorgegebenen Verhältnis ab.
  3. Geduld: Versuche nicht, die Trocknung mit Hitze zu erzwingen, bevor das Lösemittel abgelüftet ist. Das führt zu Kochern (Blasen) im dichten Lackfilm.

Du möchtest wissen, wie du Epoxidharz als Grundierung oder Bodenbeschichtung fehlerfrei verarbeitest?

Hier geht es zum Detail-Artikel: 2K Epoxidharzlack: Vorteile, Nachteile, Tipps & Verarbeitung

Konventioneller Basislack: Die Grundlage für Autolackierungen

Mit der Einführung der Zweischicht-Lackierung in den 1970er Jahren veränderte sich die Fahrzeuglackierung grundlegend. Zuvor nutzte man Einschicht-Systeme, bei denen Farbe und Glanz in einem Produkt vereint waren. Der konventionelle Basislack trennt diese Aufgaben nun strikt. Er ist rein für die Farbgebung und die optischen Effekte zuständig, während eine nachfolgende Schicht den Schutz übernimmt.

Technisch gesehen besteht der Basislack aus Farbpigmenten und bei Metallic-Lacken aus winzigen Aluminiumplättchen, die in Lösemitteln gelöst sind. Diese Plättchen müssen sich beim Ablüften (dem Verdunsten der Lösemittel) flach auf den Untergrund legen, damit der gewünschte metallische Schimmer entsteht. Ein konventioneller Basislack trocknet physikalisch sehr schnell an, hinterlässt aber eine seidenmatte und empfindliche Oberfläche.

Das bedeutet für dich in der Praxis, dass ein Basislack niemals als alleinige Beschichtung dienen darf. Er ist mechanisch kaum belastbar und besitzt keinerlei eigenen UV-Schutz. Ohne eine finale Versiegelung würde die Farbe durch Witterungseinflüsse sofort leiden oder sich durch chemische Einwirkung anlösen lassen.

Doch warum lohnt sich dieser doppelte Aufwand überhaupt? Das siehst du im direkten Vergleich der Eigenschaften.

Warum Basislack immer Klarlack braucht

Die technische Trennung in zwei Schichten hat einen simplen Grund. Der Basislack konzentriert sich rein auf die Optik. Die Pigmente und Effektgeber liegen frei an der Oberfläche, um das Licht ungehindert zu reflektieren. Das sorgt für Brillanz, macht die Schicht aber mechanisch extrem verwundbar. Erst der Klarlack fungiert als Opferschicht, die Kratzer abfängt und UV-Strahlung blockiert. Ohne diesen Schutz würde der Basislack innerhalb kürzester Zeit ausbleichen oder durch Umwelteinflüsse beschädigt werden.

Hier siehst du, warum dieses System im Fahrzeugbau alternativlos ist, aber auch Disziplin bei der Verarbeitung erfordert.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Exakte Farbtöne: Da keine trüben Bindemittel den Ton verfälschen, sind Farbkorrekturen extrem präzise möglich.Kein Schutz: Die Oberfläche ist offenporig und saugt Feuchtigkeit fast wie ein Schwamm auf.
Effekt-Vielfalt: Metallic- und Perleffekte kommen erst durch die dünne Schicht richtig zur Geltung (Flip-Flop-Effekt).Empfindlichkeit: Schon ein Fingerabdruck auf dem trockenen Basislack kann später sichtbar bleiben.
Schnelle Mattierung: Du siehst sofort, ob die Farbe deckt und der Verlauf passt („Abdeckkontrolle“).Zeitfenster: Du musst den Klarlack innerhalb einer bestimmten Zeit auftragen, sonst haften die Schichten nicht aufeinander.
Reparierbarkeit: Fehlstellen im Basislack lassen sich vor dem Klarlack-Auftrag oft noch vorsichtig korrigieren.Doppelter Aufwand: Du musst zwei verschiedene Materialien kaufen, mischen und nacheinander lackieren.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Ablüften lassen: Warte zwingend, bis der Basislack komplett matt ist („angetrocknet“). Glänzt er noch feucht, schließt du Lösemittel unter dem Klarlack ein, was zu Blasen führt.
  2. Staub entfernen: Nutze kurz vor dem Klarlack ein Staubbindetuch (Honigtuch), um den feinen Farbnebel (Overspray) von der Oberfläche zu nehmen. Ohne Druck arbeiten!
  3. Wolken vermeiden: Spritze Metallic-Töne nicht zu nass. Wenn die Aluminiumteilchen „schwimmen“, bilden sich unschöne Wolken im Lackbild.

Du willst genau wissen, wie du Basislack ohne Wolkenbildung spritzt und wann der richtige Moment für den Klarlack ist?

Hier findest du unsere detaillierte Anleitung: Konventioneller Basislack – Eigenschaften, Anwendung & Tipps

Wasserbasislack vs. Lösemittellack: Eigenschaften & Gesundheit

Seit einigen Jahren verschieben sich die Standards in der Oberflächentechnik massiv in Richtung Nachhaltigkeit. Treibende Kraft sind hier vor allem strenge Umweltauflagen wie die VOC-Richtlinien, die den Ausstoß flüchtiger organischer Verbindungen drastisch reduzieren sollen. Während klassische Lacke auf organische Lösemittel als Träger setzen, übernimmt bei modernen Wasserlacken das Wasser diese Aufgabe.

Für dich als Anwender bedeutet dieser Wechsel vor allem ein deutliches Plus an Arbeitsschutz. Die intensiven Dämpfe, die oft Kopfschmerzen verursachen oder bei dauerhafter Einwirkung das Nervensystem belasten können, sind hier auf ein Minimum reduziert. Doch technisch gesehen ist Wasserlack keine simple Farbe, sondern eine hochkomplexe Dispersion. Die Bindemittel schwimmen als winzige Tröpfchen im Wasser. Erst wenn das Wasser verdunstet, rücken diese Teilchen zusammen und verfilmen zu einer geschlossenen Schicht, was Fachleute als Koaleszenz bezeichnen.

Diese physikalische Eigenheit macht moderne Wasserlacke qualitativ absolut gleichwertig zu Lösemittellacken, macht sie aber gleichzeitig abhängiger von den klimatischen Bedingungen in deiner Werkstatt.

Wasserlack Nachteile & Vorteile gegenüber Lösemittellack

Ein Umstieg auf Wasserlack erfordert oft ein Umdenken in der Werkstatt. Der größte Unterschied liegt im Trocknungsverhalten. Wasser verdunstet deutlich langsamer als flüchtige Lösemittel, und dieser Prozess hängt extrem von der Umgebungsluft ab. In einer feuchten Garage trocknet Wasserlack kaum, während ein Lösemittellack trotzdem aushärten würde. Zudem besitzt Wasser eine hohe Oberflächenspannung, was bedeutet, dass der Untergrund absolut fettfrei sein muss, damit der Lack benetzt und nicht wegläuft.

Wer diese Spielregeln beherrscht, profitiert von einem modernen Material, das langfristig die Gesundheit schont und gesetzliche Hürden (VOC) locker nimmt.

Vorteile (Pro)Nachteile (Contra)
Arbeitsschutz: Kaum Geruchsbelästigung und keine giftigen Lösemitteldämpfe. Das schont die Atemwege massiv.Klima-Abhängigkeit: Die Trocknung stoppt bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Kälte fast komplett. Eine gute Belüftung ist Pflicht.
Werkzeugreinigung: Solange der Lack nass ist, reinigst du Pistole und Pinsel einfach mit Wasser. Teure Verdünnung entfällt.Rostgefahr: Wasser korrodiert herkömmliche Stahltanks. Du benötigst zwingend Werkzeug aus Edelstahl oder Kunststoff.
Materialschonung: Wasserlack greift alte Untergründe oder Kunststoffe meist nicht an (kein Hochziehen alter Schichten).Oberflächenspannung: Der Lack reagiert extrem empfindlich auf Silikon oder Fett. Gründlichstes Entfetten ist überlebenswichtig.
Umweltfreundlich: Erfüllt aktuelle VOC-Normen und reduziert den ökologischen Fußabdruck deiner Werkstatt.Holzaufrauung: Bei Holzarbeiten stellen sich durch das Wasser die Fasern auf, was einen Zwischenschliff nötig macht.

Praxis-Tipps für die Anwendung:

  1. Edelstahl nutzen: Investiere in Lackierpistolen mit Edelstahldüsensätzen. Herkömmliche Modelle rosten innerlich durch den Wasserkontakt sofort.
  2. Luftbewegung: Wasserlack trocknet durch Verdunstung. Ein leichter Luftstrom (z. B. durch Venturi-Düsen) beschleunigt den Prozess enorm, mehr als reine Hitze.
  3. Reiniger wechseln: Nutze zur Vorreinigung spezielle wasserbasierte Silikonentferner. Lösemittelhaltige Reiniger hinterlassen oft Schlieren, die Wasserlack abperlen lassen.

Du willst den Umstieg wagen und Fehler wie Krater oder langsame Trocknung von Anfang an ausschließen?

Hier findest du den kompletten Praxis-Guide: Lackieren mit Wasserlack: Fehler vermeiden & Top-Ergebnisse

Industrielack-Vergleichstabelle: Welcher Lack für welches Projekt?

Die Wahl des richtigen Lacksystems ist oft eine Gratwanderung zwischen technischer Notwendigkeit und wirtschaftlichem Aufwand. Während im Maschinenbau oft Robustheit und Preis zählen, stehen in der Fahrzeuglackierung UV-Stabilität und Glanz an oberster Stelle. Ein Lack, der auf Holz hervorragend funktioniert, kann auf einer verzinkten Stahlkonstruktion chemisch versagen.

Diese Matrix hilft dir, die technischen Eigenschaften der Systeme direkt zu vergleichen und die richtige Entscheidung für dein Bauteil zu treffen.

LacktypGeeigneter UntergrundTrocknung & HärteBeständigkeit (UV / Chemie)Ideal für…
Kunstharz (Alkyd)Metall, Holz, Landmaschinen (Nicht auf Zink!)Langsam (oxidativ), bleibt zähelastisch.Mäßige UV-Stabilität, geringe Chemikalienfestigkeit.Maschinen, Geländer, einfache Konstruktionen.
Nitro-KombiHolz, Möbel, Metall (Innenraum)Extrem schnell (physikalisch), harte Oberfläche.Nicht wetterfest, nicht lösemittelbeständig.Möbelbau, Instrumente, Oldtimer-Innenraum.
Acryllack (1K)Metall, Kunststoff, Spot-RepairSchnell (physikalisch), thermoplastisch (wird weich).Gute UV-Stabilität, aber lösemittelempfindlich.Schnelle Reparaturen, Kleinteile, Deko.
Acryllack (2K)Fahrzeugteile, Fassaden, GFKChemisch vernetzend, sehr gute Endhärte.Exzellente UV-Stabilität, wetterfest, benzinresistent.Fahrzeuglackierung, hochwertige Außenbauteile.
PU-Lack (2K)Nutzfahrzeuge, Böden, MaschinenChemisch vernetzend, extrem abriebfest & elastisch.Sehr gute Chemikalienbeständigkeit, wetterfest.LKW, Bagger, stark beanspruchte Böden.
Epoxidharz (2K)Stahl, Zink, Alu, Beton, GFKLangsam (chemisch), extrem haftstark & hart.Mangelhaft bei UV (kreidet), top gegen Chemie/Wasser.Grundierung, Rostschutz, Tanks, Garagenböden.
WasserlackAuto, Holz, Kunststoff, MetallHängt vom Klima ab (Verdunstung), thermoplastisch oder 2K.Vergleichbar mit Lösemittellack (je nach System).Umweltbewusste Lackierung, Wohnräume.
BasislackFüller, Altlack (als Farbgeber)Sehr schnell matt (physikalisch), keine eigene Härte.Ohne Klarlack keine Beständigkeit.Zweischicht-Lackierung an Autos/Motorrädern.

Fazit zur Auswahl: Wenn du unsicher bist, gilt im Außenbereich fast immer die Regel: Ein 2K-System (Acryl oder PU) bietet dir langfristig die größte Sicherheit gegen Witterung und Abnutzung. Für reine Innenanwendungen oder einfache Reparaturen reichen die 1K-Varianten (Kunstharz oder Nitro) oft völlig aus und sparen dir Zeit beim Anmischen.

Häufige Fehler beim Lackieren & Tipps zur Vermeidung

Auch der hochwertigste Industrielack versagt, wenn bei der Vorbereitung oder Anwendung Flüchtigkeitsfehler passieren. Profis wissen, dass das Lackierergebnis zu 80 Prozent von der Vorarbeit abhängt und nur zu 20 Prozent vom Lack selbst. Damit dein Projekt nicht an vermeidbaren Kleinigkeiten scheitert, haben wir die drei häufigsten Ursachen für Misserfolge detailliert aufgeschlüsselt.

Fehler 1: Mangelnde Entfettung (Fischaugen)

Oft sieht eine Fläche optisch sauber aus, trägt aber noch unsichtbare Spuren von Hautfett, Ölen oder silikonhaltigen Pflegeprodukten. Lackierst du hier einfach drüber, zieht sich der nasse Lack aufgrund der unterschiedlichen Oberflächenspannung zusammen. Es entstehen kleine Krater, die bis auf den Untergrund reichen. Fachleute sprechen hier von Fischaugen.

Die Lösung: Verlasse dich nicht allein auf Verdünnung oder Bremsenreiniger, da diese die Fette oft nur verschmieren statt sie zu lösen. Nutze immer vor dem ersten Schliff und zwingend direkt vor dem Lackieren einen passenden Silikonentferner. Nutze dabei zwei Lappen: Einen für den Auftrag des Reinigers und einen trockenen, um den gelösten Schmutz sofort aufzunehmen.

Fehler 2: Das Taupunkt-Problem (Haftungsverlust)

Das Klima in deiner Werkstatt ist entscheidender als viele denken. Ein klassischer Fehler ist das Lackieren eines kalten Bauteils in einer warmen Umgebung. In diesem Fall kühlt die Luft direkt am Metall ab und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Der Taupunkt wird unterschritten und es bildet sich ein hauchfeiner, oft unsichtbarer Film aus Kondenswasser.

Die Lösung: Der Lack schwimmt auf diesem Wasserfilm statt auf dem Metall zu haften. Achte darauf, dass Bauteil, Lack und Umgebungstemperatur angeglichen sind. Im Idealfall sollte das Werkstück sogar minimal wärmer sein als die Luft, um Kondensation sicher auszuschließen.

Fehler 3: Falsches Mischungsverhältnis bei 2K-Lacken

Besonders bei 2K-Systemen (Polyurethan, Acryl, Epoxid) entscheidet die Disziplin beim Mischen über Sieg oder Niederlage. Diese Lacke vernetzen chemisch in einem festen Verhältnis (Stöchiometrie). Ein Mischen nach Gefühl („Pi mal Daumen“) funktioniert hier nicht. Ist zu wenig Härter enthalten, bleibt der Lack dauerhaft weich und klebrig. Ist zu viel Härter drin, wird die Schicht spröde und neigt zu Rissen.

Die Lösung: Nutze immer einen Messbecher mit passender Skala (z. B. 2:1 oder 3:1) oder besser noch eine digitale Waage. Rühre das Gemisch gründlich um, streife auch die Ränder des Bechers ab und topfe zur Sicherheit in einen sauberen Becher um, bevor du lackierst.

Du willst auf Nummer sicher gehen und nichts dem Zufall überlassen? Nutze unser kostenloses Tool: Mischungsverhältnis Rechner – Lack Mischverhältnis berechnen

Nachdem du nun weißt, wie du die gröbsten Schnitzer vermeidest, beantworten wir im letzten Teil noch die brennendsten Fragen, die uns immer wieder erreichen.

Fazit: Die richtige Wahl bei Industrielacken

Ob für die Restauration eines Oldtimers oder den Schutz einer Stahlhalle, das Spektrum moderner Industrielacke ist riesig und bietet für jedes technische Problem eine Lösung. Wir haben in diesem Vergleich gesehen, dass Industrielacke weit mehr sind als nur bunte Farbe. Sie sind eine funktionale Schutzschicht, die den Wert deiner Arbeit langfristig erhält.

Die wichtigste Lektion bleibt, dass du den Lack immer passend zum Einsatzzweck wählst. Ein Epoxidharz ist auf dem Hallenboden unschlagbar, würde aber auf einer sonnenbeschienenen Fassade versagen. Ebenso bieten wasserbasierte Systeme heute eine echte, umweltfreundliche Alternative, wenn die Randbedingungen in der Werkstatt stimmen.

Verstehe eine Lackierung immer als ganzheitliches System. Wenn Vorbehandlung, Grundierung und Decklack harmonieren, schöpfst du das volle Potenzial hochwertiger Materialien aus und schaffst Oberflächen, die mechanisch und chemisch überzeugen. Nimm dir Zeit für die Auswahl und die Vorbereitung, denn dein Projekt wird es dir mit Langlebigkeit danken.

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